Die verdammten Musikanten
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William Heinesen ist einer der besten Schriftsteller und Dichter der Färöer und gleichzeitig der bekannteste. Er wurde am 15. Januar 1900 in Tórshavn geboren und lebte hier bis zu seinem Tod am 12. März 1991. Er wuchs im dänischsprachigen Milieu der Stadt auf und schrieb seine Bücher daher auf Dänisch. Als Kritiker war er ein eifriger Fürsprecher der färöischen Kunst und Kultur, daneben war er als bildender Künstler und Komponist tätig.

 

1921 erschien sein erstes Buch, die Gedichtsammlung Arktische Elegien und andere Gedichte. Später wurde er ein Meister der Prosa und schrieb in der Zeit von 1934 bis 1985 sieben Romane und acht Novellensammlungen, die ihm mehrere Literaturpreise einbrachten. Den Literaturpreis des Nordischen Rates erhielt er 1965 für den Roman Die Gute Hoffnung, der eine Geschichte aus der dunklen Zeit erzählt, die auf den Färöern als Gabelzeit bekannt ist. Die beiden ersten Romane, Windiges Morgengrauen und Noatun, schildern vornehmlich die färöische Gesellschaft in der Zeit des Umbruchs zwischen Alt und Neu. In den drei Romanen Die verdammten Musikanten, Mutter Siebenstern und Der Turm am Ende der Welt geht der Autor bis in die Zeit kurz vor und nach der Jahrhundertwende um 1900 zurück. Er schildert das Kind und den Künstler und beschreibt das Leben aus ihrem Blickwinkel. In diesen Geschichten sind Sagen, Gedichte, Musik und Fantasie lebenswichtige Werte, die Materialismus und nüchterne Vernunft herausfordern.


Die verdammten Musikanten
Der Roman Die verdammten Musik-anten (1950) ist wie eine Komposition in vier Sätzen aufgebaut und wurde als eines der Hauptwerke von William Heinesen in etliche Sprachen übersetzt. Heðin Brú (H. J. Jacobsen) übersetzte das Werk 1975 ins Färöische. Die Handlung spielt in den Jahren vor und nach der Jahrhundertwende um 1900 in einer kleinen Stadt, die auffallend an Tórshavn erinnert. Die Musikanten sind vor allem die Brüder Mourits, Sirius und der kleine Kornelius sowie Magister Mortensen und Musiklehrer Boman, der als Lehrer von Orfeus große Bedeutung erlangt. Der Vater der Brüder, Kornelius der Glöckner, baute Harfen, die er im Kirchturm aufhängte, wo der Wind auf ihnen spielte. Die Windharfen hatten einen großen Anteil daran, dass die Musik zu einem der wichtigsten Elemente im Leben der Brüder wurde. Wie der Vater kamen sie hinsichtlich der weltlichen Güter zu kurz; alle suchten sie nach dem, was jenseits des Alltags zu finden ist.

Um die Musikanten herum gruppieren sich zahlreiche schillernde Originale, die sich zusammen mit den Spielleuten an der Musik erfreuen; die meisten von ihnen gehören dem Bodensatz der Stadt an. Die Musikanten haben jedoch auch Widersacher, an deren Spitze Ankersen als Vorsitzender des christlichen Abstinenzvereins steht. Stupidität und Fanatismus, die Ankersen antreiben, und das durch Matti Gokk vertretene Böse haben ihren Anteil daran, dass die Musikanten einer nach dem anderen zugrunde gehen, als sich das generelle Alkoholverbot, für das Ankersen kämpft, durchsetzt. Sind die Philanthropie und die Liebe zur Musik, die für die Musikanten und ihre Freunde so typisch sind, damit verschwunden? Nein, zum Glück nicht, denn der besonders musikalische Orfeus, Mourits’ Sohn, steht im Gegensatz zu den Spielleuten mit beiden Beinen fest auf der Erde. Mit der Hilfe seiner Freunde verlässt er die Färöer, um sich ausbilden zu lassen. Die Träume der verdammten Musikanten erhalten damit durch Orfeus die Gelegenheit zur Verwirklichung und Erfüllung.

Der Humor blitzt in diesem Roman immer wieder zwischen den Zeilen hervor, selbst in den dunkelsten Momenten der Handlung. Nahezu grotesk wird er, wenn es um die religiöse Verführung und Erregung geht, die Ankersen repräsentiert. Die Erzählung wird zudem von einer geheimnisvollen Atmosphäre geprägt, gern in Verbindung mit Aberglaube, wunderlichen Personen, kraftvollen Wetterschilderungen usw. So ist auch das wichtigste Symbol des Romans, die Galionsfigur Tarira, die Orfeus folgt, ganz bis zum Schluss geheimnisvoll, als er seinen künstlerischen Lebensweg unter dem Bugspriet der Albatros vorgezeichnet sieht: da spiegelt sich ihr Leben im Tageslicht wider, vielleicht als Zeichen dafür, dass sein ganzes Streben und Trachten nun Wirklichkeit geworden ist.
 

Turið Sigurðardóttir

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