Zahmvögel auf den Färöern
Warennummer: PPA000607 Ausgabetag:

Ausgabetag: 11.06.2007 - Werte: 9,00, 20,00,  und 25,00 kr. - Nummer: FO 604-606 - Briefmarkenformat:  30,5 x 40 mm - Drucktechnik:  Offset  - Druckerei: LM Group, Kanada -
Gebührensatz:
(9KR) Briefe innerhalb de Färöer bis zum 100 g und B-briefe bis zum 20 g nach Ländern ausserhalb Europas
(20KR) A-Briefe bis zum 100 g nach Ländern ausserhalb Europa und B-Briefe bis zum 250 g nach Europa
(25KR) Briefe innerhalb der Färöer bis zum 500 g und A-Briefe bis zum 250 g nach Europa

 

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”Wikingergans”
Die Färinger haben eine spezielle ”Gänsekultur”, und nirgendwo in unseren Nachbarländern sieht man so viele kleine Gänsescharen, sowohl in der ”Utmark”, der Allmende, als auch in größeren und kleineren Einzäunungen in der "Indmark", auf den bebauten dörflichen Flächen überall auf den Färöern.
Die färöische Gans ist vermutlich ein direkter Nachkomme der Zahmgänse, welche die Landnahmeleute aus Skandinavien und von den britischen Inseln mitbrachten. Sie wurde 1990 im skandinavischem Geflügelstandard "Fjerkræstandard" als eine eigene Gänserasse beschrieben und in “Geflugel Börse” Nr. 15, 1993, wird postuliert, die färöische Gans repräsentiere die älteste Form der Zahmgans in Europa. Die Gänseschar auf dem Umschlag vermittelt einen Eindruck von der großen Farbvariation unserer Gänse. Es gibt ca. 20 färöische Wörter, welche die unterschiedlichen Farbschläge und Zeichnungsmuster beschreiben.
 
An den Felswänden im Sommer
Wie auf dem Bild auf der Titelseite zu sehen ist, sind wir in der Udmark um den Monatswechsel September/Oktober und haben drei ”Gänsefamilien” zusammengetrieben, um sie von den noch grünen Felswänden zurückzuholen. Jede Familie hat sich in ihrem jeweiligen besonderen Revier im Bereich aufgehalten, seit sie im Mai/Juni hinausgetrieben worden war, und hat sich ohne jede Form von Zufütterung von dem saftigen kurzen Sommergras ernährt.
 
In der Indmark im Winter
Im Winterhalbjahr liefen die Gänse in vielen Siedlungen paarweise frei auf den bebauten dörflichen Flächen umher. In einigen Siedlungen weist die Indmark eine so gute Qualität und Beschaffenheit auf, dass die Gänse früher auch im Winterhalbjahr keine Zufütterung erhielten. Jedoch wurde an den meisten Orten etwas Futter direkt vor und während der Eierlegung gegeben. Die Eigenschaften, die unsere kleine Gans heute aufweist, sind deshalb vor allem das Ergebnis der natürlichen Selektion durch die Jahrhunderte hindurch, wo nur die widerstandsfähigsten und genügsamsten Vögel imstande waren, sich zu vermehren.
 
Gesalzen und getrocknet als Aufschnitt/ jetzt jedoch meist als Weihnachtsessen
Nach 3-4 Wochen Mästung wird der Nachwuchs geschlachtet. Früher wurden die meisten nach einer leichten Trockensalzung für den Wintervorrat windgetrocknet, und obwohl dies noch gebräuchlich ist, enden die weitaus meisten Gänse heute auf der Weihnachtstafel. Solch eine färöische ”Felsgans” ist ein einzigartiges kulinarisches Erlebnis.
 
Enten und Hühner
Die färöische Bezeichnung dunna (Ent) ist keltischen Ursprungs.
Während man wahrscheinlich auf den Färöern schon seit der frühen Besiedlung Hühner gehalten hat, scheint die Entenhaltung etwas neueren Datums zu sein. Landt (1800) berichtet zum Beispiel, dass zahme Enten ”nur in Torshavn, und auf dem Land von den Pastoren und einigen wenigen Bauern gehalten werden”.
 
Auf alten Bildern von den Färöern sieht man dagegen außerordentlich häufig sowohl kleine Enten, die in Flüssen oder an der Strandkante schnattern, als auch Hühner, die zwischen den Häusern frei umherlaufen. In den meisten Haushalten wurden in vielen Siedlungen sowohl Hühner als Enten gehalten, normalerweise 4-6 Stück jeder Art, und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es genauso viele Hühner wie Einwohnern und etwas mehr Enten auf den Inseln.
 
Das Geflügel lief, wie erwähnt, meistens frei umher, und war darauf angewiesen, einen großen Teil des Futters in der freien Natur finden. Eine entscheidende Voraussetzung für sowohl diese verbreitete Hühner- und Entenhaltung als auch für die besondere färöische ”Gänsekultur” ist, dass es keine Füchse oder andere Raubtiere auf den Inseln gibt.
 
Die Enten kamen abends ”nach Haus" von den Flüssen oder der Strandkante, um etwas zusätzliches Abendessen zu ergattern, und wurden dann im Keller oder einer kleinen Entenhütte eingesperrt, wo sie in der Saison ihre Eier legten, bevor sie am nächsten Vormittag wieder ins Freie hinausgelassen wurden. Auf der Rückseite des Faltblatts, wo sich ein Schwarm Enten am Fjord vor der Siedlung versammelt hat, erhält man einen Eindruck von der großen Variation der Farbschläge. Diese kleine färöische Hausente, die geschlachtet und gereinigt nur 1-1,3 kg wiegt, ist ein widerstandsfähiger und eifrig futtersuchender Vogel. Sie ist ein fleißiger Eierleger, wenn man täglich die gelegten Eier entfernt. Lässt man sie dagegen die Eier behalten, beginnt sie in der Regel zu brüten, sobald genug Eier im Nest sind.
 
Die Hühner übernachteten in einer dazu mit Nestern und Sitzstangen eingerichteten Ecke im Keller.
In "Landbruget på Færøerne” [Landwirtschaft auf den Färöern] von 1924 wird angegeben, dass ”mehrere verschiedene Hühnerrassen gehalten werden, und die allermeisten Hühner-Nutzrassen, die in anderen Ländern gezüchtet werden, werden auch hier auf den Inseln versucht.” Die ursprünglichen Hühner waren deshalb bereits damals stark mit eingeführten Rassen gekreuzt, und diese Vermischung hat sich bis in unsere Tage fortgesetzt. Hühner auf den Färöern sind deshalb immer ein buntes Gemisch von Farben und Formen gewesen.  
 
Insbesondere für die vielen landlosen Familien hat diese verbreitete Geflügelhaltung bis in unsere Tage eine bedeutende wirtschaftliche und ernährungsmäßige Bedeutung gehabt.
 
2006 hat Heilsufrøðiliga Starvsstovan [Färöisches Amt für Verbraucherschutz] Angaben über Geflügel auf den Färöern zusammengetragen, und ist dabei auf folgende Gesamtanzahl auf den Inseln gekommen: 1.744 Enten, 2.590 Gänse, 2.469 Hühner und 27 Puten.
 
 

Andrias Reinert

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