Ausgabetag am 16.09.2009 - Werte: 10,00 DKK - Nummer: FO 672 - Briefmarkenformat: 63,0 x 23,0 mm - Fotograf: Ólavur Frederiksen - Drucktechnik: Offset - Druckerei: Cartor, Frakland - Gebührensatz: Grossbriefe auf den Färöern und Kleinbriefe nach Europa, 0-50 g.
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Ein altes Sprichwort besagt, der Färinger werde bereits mit einem Ruder in der Hand geboren. Nur wenige Orte der Erde sind so vom Meer geprägt wie die Färöer. Auf diesen schroffen, von der Brandung umtosten Felseninseln mitten in den Weiten des Atlantiks ist es schwierig, eine Stelle zu finden, von der aus man das Meer nicht sehen oder auch mit geschlossenen Augen spüren kann – selbst bei ruhigem Wetter hört man das Brausen des Weltmeeres und die Schreie der Seevögel. Während der Winterstürme ist das Tosen der Brandung ohrenbetäubend. Die Luft schmeckt nach Salz und duftet nach Tang. Obwohl die Gesellschaft in den letzten fünfzig Jahren eine rasante Entwicklung in Richtung einer modernen, differenzierten Wirtschaft durchlaufen hat, lebt man weiterhin vom Meer – die färöische Fischereiflotte ist im Verhältnis zur Bevölkerungszahl die größte der Welt, und die Fischerei, die Fischzucht und die Seefahrt insgesamt machen den größten Teil des Exports aus.
Jedes Land hat seine Landschaften, und in jedem Land wohnen Menschen, die nicht nur ihre Kinder für die besten halten, sondern auch ihre Landschaft für die schönste der Welt. Wird der Mensch von seiner Landschaft geprägt? Über diese viel diskutierte Frage wurde bereits einiges gedichtet und geschrieben. Zweifellos ist etwas dran an dieser These – es lässt sich kaum vermeiden, dass eine Kindheit und Jugend in grenzenlosen Steppen oder zwischen den Wolkenkratzern einer Großstadt den Charakter auf ihre jeweilige Art beeinflusst. Und was bedeutet es, auf schroffen, von der Brandung umtosten Felseninseln umgeben vom endlosen Meer aufgewachsen zu sein? Der Mensch zeichnet sich im Vergleich zu vielen anderen Lebewesen auf der Erde dadurch aus, unglaublich flexibel zu sein. Das einsame Leben auf der Felseninsel lässt sich durchaus gegen ein hektisches urbanisiertes Dasein im wogenden Menschenmeer des Kontinents austauschen. Färinger gibt es überall auf der Welt, nicht in Auswanderergruppen, sondern einzeln, verteilt über alle Erdteile. Wir pflegen zu sagen, dass es immer einen Färinger in der Nähe gibt. Die meisten sind als Seeleute an diese fernen Orte gekommen; sie sind an Land gegangen und haben ein neues Leben gefunden. Offenbar geht es diesen unseren Landsleuten dort ausgezeichnet, durchgängig ist jedoch zu beobachten, dass sie sich bisweilen dabei ertappen, sich nach der färöischen Umgebung ihrer Kindheit zu sehnen; sie nennen sich weiterhin Färinger, und einige kehren sogar zurück, um ihren Lebensabend in der Heimat auf den Inseln zu verbringen.
In einer Hinsicht kann kaum ein Zweifel bestehen, dass die Landschaft den Menschen prägt – in der Kunst! Seitdem die Landschaft, vor allem nach der Romantik, zu einem zentralen Thema in der Kunst wurde – auf den Färöern somit seit dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts – ist die Natur, die Landschaft das beherrschende Grundmotiv gewesen, zuerst in der modernen Lyrik, die mit der althergebrachten epischen Lieddichtung brach, und anschließend in der bildenden Kunst und in der Musik.
Die Natur ist gegenwärtig, sobald man aus einer Tür tritt, die Landschaft ist vertikal, aufdringlich, reich an Struktur, Form und Farbe. Meer und Himmel haben Tausende von Gesichtern und Belichtungen, und wir müssen erkennen, dass starke Sinneseindrücke aus der Natur in der lebendigen Kunst der Gegenwart noch immer wie ein Generalbass präsent sind, auch in der abstrakten und halb abstrakten Malerei, durch die sich die bildende Kunst von heute vor allem auszeichnet.
Bárður Jákupsson